Kaarl kam zu uns ins Tierheim, in der Hoffnung, ihm mit einem „Tapetenwechsel“ ein entspannteres Leben ermöglichen zu können. Der gebürtige Rumäne litt in der Vergangenheit sehr unter der veränderten Familiensituation, und auch die laute Umgebung der Stadt machte ihm zunehmend zu schaffen. Um ihm ein wenig Erleichterung zu verschaffen, verbrachten seine früheren Halter:innen möglichst viel Zeit fernab der Stadt, da er in der Nähe der Straße jeden Spaziergang verweigerte. Die zeitintensive Fahrerei und „Flucht“ ins Grüne waren langfristig jedoch nicht tragbar, weshalb für Kaarl der endgültige Umzug ins Tierheim anstand.
Und siehe da – der Tapetenwechsel hat ihm die erhoffte Ruhe zurückgebracht. Obwohl die Zeit im Tierheim auch mal mit Stress und Lärm verbunden ist, zeigt sich hier nichts von der angekündigten Schreckhaftigkeit und Geräuschangst. Klein Kaarl geht an unserer Seite entspannt durchs Leben und genießt dabei auch die Zeit außerhalb „der sicheren vier Wände“. Natürlich brauchte es ein paar Tage zur Eingewöhnung, doch das Eis war schnell gebrochen und Kaarl hat die Herzen im Tierpflegeteam im Sturm erobert.
Bei seinen tierischen Mitbewohnern sieht es sogar genauso aus. Der witzige Rüde lebt aktuell in einer größeren Hundegruppe, um ihm den Alltag ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, und auch hier präsentiert er sich von seiner besten Seite. Egal ob Rüde oder Hündin, kastriert oder intakt – Kaarl zeigt sich erstmal offen und gut verträglich, was auch die Vermittlung zu einem vorhandenen Ersthund ermöglicht.
Ein auf den ersten, zweiten und dritten Blick perfekter Weggefährte, wenn nicht die Schatten der Vergangenheit wären, die trotz der Sonnenseiten über allem stehen. Sobald es in der Vergangenheit zu Beißvorfällen kam, sind die positiven Charakterzüge schnell wie weggeblasen, dabei ließen sich solche Vorfälle gut vermeiden. Besonders plötzliche, ungebetene Berührungen von Fremden sind ein rotes Tuch für den kleinen Mann. Ja, sein Fell ist genauso weich und flauschig, wie man es sich vorstellt, trotzdem sollte auch ein Mensch entsprechend Impulskontrolle besitzen und seine Hände bei sich behalten können. Im Zweifelsfall wird es zur Aufgabe des Hundehalters, dafür Sorge zu tragen, dass auch Fremde die Individualdistanz des Hundes berücksichtigen, bevor Kaarl für sich selbst einsteht. Natürlich lässt sich im gemeinsamen Training auch erarbeiten, mehr und mehr auch mal zu dulden, doch trotzdem bleibt ein gut sitzender Maulkorb ein wichtiger Alltagsbegleiter, um auch in einem unachtsamen Moment oder nach kurzer Fehleinschätzung der Situation, entspannt und unbeschadet weiter machen zu können.
Was für Andere nach einem langweiligen Alltag klingt, wäre für Kaarl eine Traumvorstellung. Der kleine Abenteurer kann sich zwar auch mal in belebteren Gegenden zurechtfinden, freut sich jedoch immer wieder darauf, in einem sicheren Hafen anlegen zu können und dort Kraft zu tanken.