Nachdem Cosima ihren Besitzer verloren hatte, ging es für sie zu Angehörigen auf eine Pflegestelle, in der Hoffnung, schnell ein neues „Für-immer-Zuhause“ zu finden. Leider gestaltete sich die Suche nach einem passenden Körbchen schwerer als gedacht, und nicht nur Cosima, sondern auch der vorhandene Ersthund litten zunehmend unter der Situation.
Obwohl man es hinter der harten Schale kaum vermutet, steckt in Cosima ein sehr zarter, feinfühliger und empfindsamer Kern. Schon auf die feinsten Stimmungsschwankungen reagiert sie sensibel und lässt sich besonders von Hektik und Unsicherheit anstecken. Zurzeit lebt sie daher mit sehr geerdeten Vierbeinern zusammen, um von deren innerer Ruhe zu profitieren. Langsam, aber sicher erwärmt sich die Eisprinzessin ihnen gegenüber und kann sie auch in ihrem Nahbereich ertragen, ohne deren Anwesenheit mit Gebrummel zu quittieren. In ihrer Vergangenheit hat Cosima bereits gezeigt, dass sie sich auch mit Einsatz ihrer Zähne für ihren Freiraum einsetzen kann, doch ihre Individualdistanz wird inzwischen den bekannten Menschen gegenüber immer kleiner. Teilweise fordert sie körperliche Nähe und Streicheleinheiten sogar bereits selbstständig ein. Mit Hilfe eines Maulkorbes kann man trotzdem von Anfang an erste Erfahrungen sammeln, die einen Grundstein für die gemeinsame Zukunft legen.
Auch wenn die Eingewöhnungszeit zu Beginn größtenteils darauf basierte, auch mal fünfe, sechse oder gar siebene grade sein zu lassen, wurde schnell klar, dass der Mischlingshündin neben Verständnis auch klare Regeln guttun. Natürlich ist die Umgewöhnung schwer, doch das ist keine Rechtfertigung dafür, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Besonders außerhalb ihrer gewohnten vier Wände und der festen Hundegruppe wird schnell klar, dass Cosima gut für sich selbst einstehen kann. Besonders an der Seite ihrer Bezugspersonen fühlt sie sich wie der neue Sheriff im Bezirk und lässt alles und jeden wissen, wer in ihren Augen das Sagen hat. Ein solches Verhalten ist nicht nur unangenehm für den Zwei-, sondern auch extremer Stress für den Vierbeiner. Von einem entspannten Spaziergang kann aktuell bei Weitem nicht die Rede sein, dabei wäre genau diese Zeit wichtig, damit Cosima neben all dem Tierheimtrubel den Kopf auch mal freibekommen kann.
Ohne Training und Anleitung wird sich das Verhalten im Alltag so schnell nicht ändern, von daher gibts zum ersten Mal feste Spielregeln für die Dame – und schau an: langsam gibt es erste Erfolge zu verzeichnen. Auch wenn sie gern mal übers Ziel hinausschießt und sich in einer „Pöbeltirade“ verliert, behält sie stets den Kontakt zu uns, über den wir sie wieder auf den Boden der Tatsachen bringen können. Mit der Zeit kommt sie mehr und mehr in den Flow und kann inzwischen auch größere Reize ertragen, besonders, wenn Mensch und Hund ausgeglichen in die Trainingseinheit starten. Als Nächstes versuchen wir, die Belastungsgrenzen schrittweise auszuweiten. Wo zu Beginn jedes noch so kleine Geräusch oder noch so entfernte Fahrrad lautstark kommentiert wurden, funktionieren inzwischen (an guten Tagen) selbst direkte Hundebegegnungen ohne Mucks.
Um wirkliche Erfolge zu erzielen, ist es im trainingsreichen Tierheimalltag besonders wichtig, einen Bereich zu finden, in dem der Hund seine Energie sinnvoll einsetzen kann. Im Training müssen sich die Vierbeiner oft zurücknehmen und Impulskontrolle beweisen – für einen ausgewogenen Alltag suchen wir daher auch nach Bereichen, in denen die Hunde sich entfalten können. Auf der Suche nach einem passenden Ventil haben wir sowohl in der Kategorie Körper als auch in der Kategorie Geist eine Möglichkeit der Auslastung gefunden.
Wer gerne einen Schritt schneller unterwegs ist und Freude am Joggen hat, rennt bei Cosima offene Türen ein. Die Bewegung tut ihr gut und das gemeinsame Hobby verbindet. Doch auch für allerlei Kopfarbeit hat die kleine Rumänin ein Faible. Ob sie das ein oder andere bereits aus ihrer Vergangenheit kennt oder es sich bei ihr um ein wahres Naturtalent handelt, wissen wir leider nicht, doch wer ambitioniert an die Sache Formarbeit und Tricksen herangeht, wird sicherlich viel Freude und schnelle Fortschritte haben.
Gemeinsam mit Cosima wird man in Zukunft sicherlich durch so manche Höhen und Tiefen gehen. Die Arbeit an einer stabilen Mensch-Hund-Beziehung braucht Zeit und braucht besonders bei Hunden wie Cosima eine dicke Haut, um Rückschläge nicht zu persönlich zu nehmen und trotzdem weiterhin optimistisch in die Zukunft zu blicken.