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Sie sind heutzutage aus keiner Innenstadt mehr wegzudenken: Tauben!
In Venedig gelten die riesigen Schwärme auf dem berühmten Markusplatz schon fast als Attraktion, doch trotzdem sind sie auch dort von den Anwohnern verhasst. Jedoch tragen die „Ratten der Lüfte“ ihren schlechten Ruf zu Unrecht!

Die einst aus der wilden Felsentaube gezüchtete Brieftaube leistet bereits seit 5000 v. Chr. ihren wichtigen Dienst bei der Nachrichtenüberlieferung. In einer Zeit vor Telegraf, Telefon und Internet war die Taubenpost die einzige Möglichkeit, Nachrichten schnell und unbemerkt zu übermitteln. Sie schaffen es, eine Strecke von bis zu 1.000km bei einer Geschwindigkeit von 80km/h zu überwinden. Brieftauben erreichen auf Kurzstrecken sogar Rekordwerte von bis zu 120km/h und sind damit genauso schnell wie ein Gepard beim Sprint.
Ihre unglaublichen Fähigkeiten wurden ihnen mit der Zeit jedoch zum Verhängnis. Auch Armee und Geheimdienste hatten die beflügelten Helfer für sich entdeckt und bis zur Perfektion gezüchtet.
Als Geheimkuriere überbrachten sie wichtige Nachrichten von der Front ins Hauptlager und konnten so Verstärkung anfordern oder von neuen Erkenntnissen über den Feind berichten. Die fliegenden Helden hatten eine große Verantwortung zu tragen und so sogar das Kriegsende beeinflusst. Es wurden in zahlreichen Ländern Statuen und Denkmäler errichtet, die dem treuen Dienst der einzigartigen Tiere gedenken. Einzelne wurden sogar mit Medaillen und Ehrentiteln geehrt, wie zum Beispiel die berühmte US-Taube Cher Ami (frz. Lieber Freund). Der Täuberich schaffte es schwerst verletzt in den heimischen Taubenschlag und überbrachte so den Notruf der verzweifelten Truppe, die, vom Gegner eingekesselt, dringend Hilfe benötigte. Cher Ami schaffte es so mit einem einzigen Flug, das Leben der 194 Soldaten retten und wurde mit dem Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet.

Mit dem einkehrenden Frieden in Europa hat sich die Stellung der Taube jedoch dramatisch verschlechtert und sie verloren ihren wichtigen Job bei der Armee. Die nun heimatlosen, entflogenen oder ausgewilderten Haustiere verwilderten wieder und vermehrten sich in unseren Städten rasant. Doch während Spatz, Meise und Co. angefüttert und mit Nisthäusschen versorgt werden, sind die Stadttauben den Menschen ein Dorn im Auge. Obwohl das Risiko der Krankheitsübertragung von Tauben auf den Menschen nicht höher ist als bei anderen Haustieren, werden sie als gesundheitliches Risiko eingeschätzt und vertrieben.

Tagtäglich sieht man verletzte oder geschwächte Tiere auf unseren Straßen, denen zum Teil auch Zehen oder ganze Füße fehlen, doch wird ihnen bei ihrem Überlebenskampf nur selten geholfen. Die missverstandenen Vögel werden mit tierschutzwidrigen Maßnahmen wie Taubenspikes, Klebefallen oder Tötungsaktionen (Genickbruch, Gaskammern, Giftködern, uvm.) durch die Städte gehetzt, doch nichts davon hilft, die Taubenpopulation kontrolliert gering zu halten. Die Verzweiflung zieht die ausgehungerten und rastlosen Tiere noch weiter in Innenstädte und Parks, wo sie sich von herumliegendem Müll und Essensresten ernähren müssen.

Lediglich betreute Taubenschläge können das Leid der Tiere stoppen, indem den Tauben dort ein fester Rückzugs-, Futter- und Brutplatz geboten wird. Die Gelege können hier kontrolliert, und Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden, um ein weiteres Wachsen der Population zu vermeiden. Auch das Angebot von artgerechtem Futter ist wichtig, da die Tiere so nicht mehr auf Abfall und Essensreste der Menschen angewiesen sind.

Tauben sind keine Plage und auch kein Ungeziefer sondern treue, liebevolle Lebewesen, wie auch ein Hund oder eine Katze und sie brauchen jetzt unsere Hilfe! Auch sie empfinden Schmerz, Trauer, Stress, Liebe, Hunger und Durst.

Bitte sehen Sie nicht weg, wenn diese wundervollen Tiere in Not geraten!

Die Tauben werden von uns im Tierheim liebevoll aufgepäppelt, großgezogen oder gesund gepflegt und dürfen, wenn sie fit genug sind, frei auf unserem Tierheimgelände leben. Wir alle brauchen mehr Empathie und Mitgefühl mit unseren tierischen Mitbewohnern, und es bedarf noch viel Aufklärung bis die missverstandenen Tiere endlich in Frieden mit uns leben dürfen.

Von: Eva Orschler