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vereiterte Augen

Foto: Tierschutzbund Basel

Vereiterte Augen, abgemagert bis auf die Knochen und voller Parasiten: In der Sommerzeit ein fast täglicher und immer wieder schrecklicher Anblick für viele Tierpfleger. Junge Kätzchen – teilweise erst wenige Tage alt – werden von aufmerksamen Menschen gefunden und ins Tierheim gebracht. Wir haben in den letzten Jahren so viel Leid erlebt, um so viele junge Katzenleben gekämpft und auch den ein oder anderen Kampf verloren. Umso wichtiger ist es uns, dass endlich etwas gegen das Katzenelend getan wird. Wir fordern dringend die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen in Aschaffenburg und Umgebung!

Die Zahl der wild lebenden Katzen in Deutschland wird auf etwa zwei Millionen geschätzt. Der Ursprung dieser Populationen geht auf Tiere zurück, die ausgesetzt wurden, entlaufen sind oder von ihren Besitzern bewusst unkastriert in Freigang gelassen werden.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes bekommt eine einzige weibliche Katze zwei Mal pro Jahr Nachwuchs und bringt bei jedem Wurf etwa 5 – 6 Jungtiere zur Welt.
Es ist bereits schlimm genug sich vorzustellen, dass die Katzenmutter ihre Jungtiere völlig schutzlos und ohne ausreichendes Nahrungsangebot großziehen muss. Etwa die Hälfte eines jeden Wurfes erreicht das Erwachsenenalter nicht. Umwelteinflüsse, Raubtiere, Nahrungsknappheit und Krankheiten kosten viele wildlebende Katzen das Leben. Auch die überlebenden Kätzchen erwartet keine rosige Zukunft: Die Weibchen werden oft viel zu früh selbst gedeckt und müssen ihren eigenen Nachwuchs großziehen. Die Kater geraten mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen in Rivalität und werden dabei nicht selten verletzt.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass wildlebende Katzen niemals wie normal aufgewachsene Katzen dauerhaft in Tierheimen oder Haushalten gehalten werden können. Katzen müssen zwischen der 2. und 7. Lebenswoche auf den Menschen sozialisiert werden. Ist diese Zeitspanne vorbei, ist es oft schwer bis unmöglich, Katzen an menschliche Gesellschaft zu gewöhnen. Katzen aus wildlebenden Populationen würden in Gefangenschaft unter unglaublichem Stress stehen und sollten daher nicht aus ihrem ursprünglichen Revier gerissen werden.

Der einzige Weg, das Katzenleid nachhaltig und dauerhaft zu bekämpfen, ist eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht. Seit Juli 2013 berechtigt §13b des Tierschutzgesetzes einzelne Landesregierungen, entsprechende Rechtsverordnungen einzuführen. Über 650 Städte und Gemeinden in Deutschland haben bereits sogenannte Kommunalverordnungen zur Katzenkastration erlassen. Nur durch die Kastration aller Katzen – sowohl wild lebender als auch privat gehaltener – kann das Katzenelend auf lange Sicht vermindert werden.

Die Vorteile der Kastration von Katzen sprechen für sich: So haben kastrierte Tiere eine wesentlich höhere Lebenserwartung, neigen weniger zu aggressivem Verhalten, haben kleinere Reviere und ein deutlich geringeres Risiko, sich mit Infektionskrankheiten anzustecken. Dass eine Katze mindestens ein Mal geworfen haben sollte, bevor man sie kastrieren lässt, ist ein weit verbreiteter Mythos. Tatsächlich raten Tierärzte zu einer Kastration wenn die ersten Symptome der Geschlechtsreife eintreten, also etwa ab dem 6. Lebensmonat. Eine Katze sollte auf keinen Fall vor der Kastration Freigang bekommen, denn oft werden die Tiere unbemerkt geschlechtsreif und man hat schneller Nachwuchs, als man es erwartet hätte.

Die Kennzeichnung durch einen Transponder bzw. Mikrochip oder ein Tattoo ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Durch Kennzeichnungen können bei wildlebenden Katzenpopulationen Zu- und Abgänge genau verfolgt und ggf. noch unkastrierte Katzen entdeckt und behandelt werden. Die Kennzeichnung von Katzen aus Privathaushalten hilft, gefundene Tiere ihren Besitzern zuzuordnen und nach Hause zurück vermitteln zu können. Leider sind die meisten Katzen nach wie vor nicht gekennzeichnet, obwohl der Eingriff extrem wichtig und nicht besonders kostspielig ist. Während ein Tattoo in Narkose gestochen werden muss, kann der Transponder auch ohne Narkose gesetzt werden. Er enthält eine 16-stellige, einzigartige Nummer, die mit Lesegeräten ausgelesen werden können. Registriert man diese sogenannte „Chip-Nummer“ zusammen mit seinen Daten auf Seiten wie tasso.net oder findefix.de, kann das eigene Tier bei Verlust schnell und sicher nach Hause zurückgebracht werden.

Um das Katzenleid nachhaltig und endgültig anzugehen, fordern wir die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht in Aschaffenburg. Aschaffenburg wäre damit die erste Stadt in Bayern mit dieser Verordnung und würde dem Beispiel einiger großer Städte wie Köln, Bremen oder Düsseldorf folgen.

Wir als Tierschutzverein werden uns auch weiter intensiv für dieses wichtige Thema einsetzen. Helfen Sie uns, indem Sie ihre Katzen – auch wenn sie nur in der Wohnung gehalten werden – kennzeichnen und kastrieren lassen!

Saskia Klemm