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Die Pelztierhaltung in Deutschland gehört endlich der Vergangenheit an! Laut Medienberichten stellte im April dieses Jahres die letzte Pelzfarm Deutschlands offiziell den Betrieb ein. Auf der Anlage der Nerzfarm in Rahden (NRW) befinden sich keine Tiere mehr und müssen so nicht mehr unter schrecklichsten Bedingungen leben.

Jahrzehntelang wurde in auch in Deutschland für Pelzmode großes Leid in Kauf genommen. Wildtiere, vor allem Nerze oder Füchse, lebten auf engstem Raum in Käfigen mit Gitterboden. Bei solchen Käfigen fällt der Kot der Tiere durch den Gitterboden hindurch und stapelt sich unter den Käfigen, verbunden mit einer enormen Geruchsentwicklung. Die Tiere mussten so direkt über ihren Fäkalien sitzen. Der als einzige Nahrung dienende Futterbrei wurde oben auf den Käfigen verteilt und musste von den Tieren durch das Gitter hindurch aufgeschleckt werden. Doch vor allem litten die Wildtiere auf diesen Farmen stark darunter, ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben zu können. Verhaltensstörungen wie Stereotypien oder auch Kannibalismus waren die Folge. In Rahden wurden zuletzt 5.000 Nerze gehalten.

2016 wurden durch Änderungen in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zusätzliche Ausstattungen in der Pelztierhaltung verpflichtend. Dazu gehörten beispielsweise Klettermöglichkeiten und Wasserbecken für die Tiere. Auch die Mindestraumhöhe wurde erweitert. Dennoch konnten die Tiere weiterhin nicht ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben. Durch die Gitterböden beispielsweise kam es weiterhin zu eingewachsenen Krallen und schmerzenden Wundinfektionen.

Doch nicht nur die Haltungsbedingungen, auch die Tötung mit möglichst unversehrtem Fell war mehr als grausam. Oftmals angewandte Methoden wie Vergasen oder Elektroschocks waren nicht immer wirksam und somit wurde den Tieren bei vollem Bewusstsein der Pelz abgezogen. Die Folge war minutenlanges qualvolles Leiden bis zum Tod.

Im September 2017 traten weitere tierschutzrechtliche Verschärfungen der Haltungsbedingungen für Pelztiere in Kraft. Eine gewerbliche Pelztierhaltung wurde dadurch nur noch mit Einhaltung rigider Halteanforderungen möglich. Da die Befolgung dieser Bedingungen mit Mehrkosten einherging, wurde der Weiterbetrieb von Pelzfarmen in Deutschland allmählich unrentabel.

Der Betreiber in Rahden hatte eigentlich eine befristete Ausnahmegenehmigung bis Ende 2022, die ihm den Weiterbetrieb seiner Farm ermöglicht hätte. Doch nun beendet er bereits drei Jahre vorher die Tierquälerei.

Auch wenn wirtschaftliche Faktoren der Hauptgrund für die Schließung sind, so haben großangelegte Demonstrationen gegen Pelz der Politik die Notwendigkeit für eine Änderung der Haltungsbedingungen aufgezeigt. Durch strengere Tierschutzgesetze und vor allem durch den Einsatz großer Tierschutzorganisationen konnte Deutschland im Kampf gegen die Pelzindustrie eine Vorreiterrolle einnehmen.

Trotz diesen großen Fortschritts ist es weiterhin wichtig, sich gegen Pelz auszusprechen! Denn leider werden Pelzimporte auf unabsehbare Zeit legal bleiben. Die meisten Pelztierfarmen befinden sich in Fernost, Finnland und Polen, also in Ländern, in denen es ein schlechtes oder gar kein Tierschutzgesetz gibt. Die letzten Tiere der Farm in Rahden wurden nach Finnland verkauft – wo sie weiter unter qualvollen Bedingungen der Pelzindustrie leiden werden.

Alexandra Kieser/Lukas Kneisel