Alle Tiere Alle Tiere Notfälle Notfälle Fundtiere Fundtiere Vermisste Tiere Vermisste Tiere

Für manchen Tierfreund mag das nach der Erfüllung eines Traums klingen – so viele Tiere wie möglich zu besitzen! Doch der gesunde Menschenverstand lässt uns dies als einen unerfüllbaren, unrealistischen Wunsch erkennen. Nicht so bei psychisch kranken Menschen, die unter dem Sammeln und Horten von Tieren leiden, dem „Animal Hoarding“.

Bei diesem Krankheitsbild werden Tiere in großer Anzahl gehalten. Der mit der Situation schnell überforderte Tiersammler ist allerdings unfähig, die Lage richtig einzuschätzen. So müssen die gehorteten Tiere unter tierschutzwidrigen Bedingungen leben – sie sind krank oder verletzt und werden nicht tierärztlich behandelt. Zudem werden sie nur unzureichend mit Nahrung und Wasser versorgt, sind unterernährt und müssen meist zwischen ihren eigenen Exkrementen leben. Häufig werden die Tiere im Keller, auf dem Dachboden oder Hinterhöfen versteckt. Die am häufigsten betroffene Tierart in den gemeldeten Fällen waren Katzen, gefolgt von Hunden und Kleintieren, meist Kaninchen. Hinzu kommt, dass die meisten Tiersammler ihre Tiere nicht kastrieren lassen, so dass sie sich unkontrolliert immer weiter fortpflanzen. Das Leid dieser Tiere geht somit immer weiter und die Überforderung der Animal Hoarder wächst. Sie sind nicht in der Lage, gegen die selbst verursachte Situation vorzugehen oder dem Sammeln entgegenzuwirken. Selbst bei massivster Einschränkung des eigenen Wohlbefindens oder das anderer  Familienmitglieder, reagieren diese Menschen meist nicht.

Tierheime werden laut dem Deutschen Tierschutzbund durchschnittlich mit fünf Fällen von Animal Hoarding pro Jahr konfrontiert. Werden Tiere aus einem Tiersammlerhaushalt gerettet, muss von den Tierheimen auf einen Schlag eine große Anzahl an kranken und unterernährten Tieren aufgenommen und versorgt werden. Dies stellt für die Tierheime eine enorme Belastung dar. Aufgrund ihrer traurigen Vorgeschichte und den daraus entstandenen psychischen Leiden sind die Tiere zudem sehr schlecht oder gar nicht mehr zu vermitteln.

Das Leid für diese Tiere ist offensichtlich. Doch auch die betroffenen Menschen haben schwerwiegende Probleme. Die psychischen Hintergründe sind vielfältig. Sie leiden meist unter seelischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Depressionen oder Alkoholismus. Oft sind einschneidende Erlebnisse der Auslöser, der die Situation zum eskalieren bringt. Tiere dienen dann als Trost oder Ersatz, bis sie schließlich selbst Opfer werden. Manche Tiersammler bedienen durch das Animal Hoarding ausschließlich eigene Bedürfnisse und weisen soziopathische Züge auf. Viele vernachlässigen sich selbst und die Menschen in ihrem Umfeld zunehmend mit wachsender Tieranzahl. Hilfe wird von den Betroffenen meist abgelehnt.

Animal Hoarding ist eine ernsthafte psychische Störung, die behandlungsbedürftig ist! Leider ist das Tierhorten in Deutschland noch kein anerkanntes Krankheitsbild und daher ist es nahezu unmöglich, Therapien für die Tiersammler aufzuerlegen. Doch diese beginnen immer wieder damit, Tiere zu horten und Rückfälle in die Sammelsucht sind leider die Regel. Ohne psychologische Therapie kann diese Sucht nicht gestoppt werden. 

Das Profil eines Animal Hoarders 

  • Tiere werden in überdurchschnittlicher Anzahl auf geringem Raum gesammelt
  • Keine Einsicht des Besitzers
  • Ausreden oder Leugnen der miserablen Bedingungen
  • Untragbare hygienische Zustände; Fäkalien auf dem Boden
  • Grundlegendste Bedürfnisse der Tiere, wie frisches Wasser, Futter, Unterschlupf, tierärztliche Versorgung und Hygiene werden nicht berücksichtigt
  • Schlechter Zustand der Tiere; verfilztes Fell, Ungezieferbefall, Unter- und/oder Fehlernährung
  • Abschottung und Isolation

Wenn Sie vermuten, dass jemand Tiere vernachlässigt oder misshandelt – auch wenn es nur “gut gemeint“ ist – kontaktieren Sie bitte Tierschutzbehörden (Veterinäramt) oder die Polizei!

Viele Animal Hoarder sammeln Tiere aus Einsamkeit oder Isolation. Somit brauchen hier Mensch UND Tier dringend Hilfe!