Thema: wild lebende Katzen
     
Sie leben in Schrebergärten, Parks, Hinterhöfen, Abbruchhäusern, auf Fabrikgeländen. Ihre genaue Zahl ist unbekannt, es müssen Tausende sein. Sie sind so gut wie unsichtbar, denn sie haben gelernt, uns Menschen zu fürchten. Nur wer regelmäßig kommt, sich ruhig verhält und wohlmöglich noch Futter mitbringt hat eine Chance, diese Tiere zu sehen.

Im Gegensatz zu ausgesetzten Hauskatzen leben sogenannte Wildlinge oft über Generationen schon ohne den Kontakt zum Menschen. Sie sind scheu, misstrauisch und nicht mehr an ein Leben im Haus zu gewöhnen. Hat eine Katze bis zur 8. Lebenswoche noch keine Menschen kennen gelernt, gilt sie als „verwildert“. 
Was ist so schlimm daran? Hat es die Natur nicht so eingerichtet, dass sich Katzen selbst versorgen können? Die können doch Mäuse fangen!
Weit gefehlt! Unsere „Stubentiger“ begleiten uns schon seit Jahrtausenden. Ihr natürlicher Lebensraum ist keineswegs die Straße oder eine Müllhalde! Hier finden sie nämlich kein ausreichendes Futterangebot, schon gar nicht, wenn sie in größeren Familienverbänden zusammen leben. Dagegen breiten sich in einem solchen Bestand Ungeziefer, Krankheiten und Seuchen rasend schnell aus. Die Lebenserwartung ist gering und die Sterblichkeit bei den Jungen sehr groß. Eine Katze ist bereits mit einem ½ Jahr geschlechtsreif und bringt jedes Jahr zwei Würfe mit 4 – 6 Jungen zur Welt. Geht man davon aus, dass pro Wurf nur drei Junge überleben, ergibt sich rein rechnerisch die horrende Zahl von weit mehr als 240 Millionen Nachkommen nach 10 Jahren! Es gibt aber auch Jahre mit langen und trockenen Sommern, in denen drei Würfe großgezogen werden können und es gibt auch Würfe mit 6 – 8 Jungen...
Die Jungen leiden meist an Katzenschnupfen und diese Krankheit ist gar nicht so harmlos, wie es sich anhört. Die Viren befallen Nase, Augen und Lungen und bewirken oft eine Erblindung oder auch den Erstickungstod. Zusätzlich sind die Tiere durch ihren schlechten Ernährungszustand und einen starken Wurm- und Flohbefall geschwächt und damit besonders anfällig für Leukose, FIP (infektiöse Bauchfellentzündung) oder FIV (sog. „Katzenaids“).
Die Kater verletzen sich bei Revierkämpfen und Kämpfen um Weibchen teilweise schwerwiegend. Auch hier werden Krankheiten weitergegeben und in den Wunden bilden sich Infektionen und Abszesse. Die Weibchen müssen viel Energie für Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht der Jungen aufbringen.
Unzählige Katzen werden überfahren, erschossen, vergiftet, zu Tode gequält.
Der einzige Weg aus diesem Teufelskreis heißt KASTRATION! Die Tieren müssen mit speziellen Lebendfallen eingefangen und kastriert werden. Danach können sie wieder in ihr angestammtes Revier zurück, wenn sie dort gefüttert werden. Füttert man sie nicht, wandern sie ab und die leere Nische wird durch neue (unkastrierte) Streuner besetzt.

Irgendwo am Stadtrand von Aschaffenburg gibt es einen Schrebergarten, in dem „schon immer“ Katzen leben. Eine alte Dame füttert diesen Bestand von 15 – 20 Katzen schon seit ca. 20 Jahren. Vor zwei Jahren habe ich mit Hilfe des Tierschutzvereins begonnen, dort Katzen einzufangen. Insgesamt konnte ich 32 Tiere von diesem Platz wegholen. 16 erwachsene Tiere wurden nach der Kastration und Kennzeichnung im Tierheim wieder zurück gebracht und weiter versorgt, die anderen waren Jungtiere, die zur Weitervermittlung im Tierheim blieben, bzw. waren noch so klein, dass sie in Pflegestellen teilweise mit dem Fläschchen liebevoll aufgepäppelt wurden. Die Kleinen haben alle eine Anstellung auf Lebenszeit als Stubentiger gefunden! 
Von den zurückgebrachten Katzen war nach der Schätzung des Tierarztes keine älter als 2 Jahre und es leben davon heute noch etwa 8 am Futterplatz. Im Winter fordern die Kälte und Krankheiten ihre Opfer. Eine schwerkranke Katze konnte ich einfangen und zum Tierarzt bringen. Der konnte leider nur feststellen, dass sie an Leukose (ansteckende Infektionskrankheit) erkrankt war und musste sie einschläfern. Anderen Tieren konnte man ansehen, dass sie krank waren, aber ein Einfangen war nicht möglich. Ein einziges Mal wurde eine tote Katze gefunden, die anderen waren einfach weg – sie hatten sich wohl zum Sterben verkrochen oder sind irgendwie anders zu Tode gekommen.
Dieser Bestand wird ständig kontrolliert, damit zugewanderte Katzen gleich weggefangen werden können. 
Das Katzenelend lässt sich nur eindämmen, wenn jeder Katzen- und Katerhalter sein Tier kastrieren lässt! Der Eingriff ist für die Tierärzte heute Routine und hat für die Miezen keine negativen Folgen. Sie werden keineswegs „fett und träge“ und eine Katze muss nicht mindestens 1 x Junge bekommen haben! Die Tiere können bereits im Alter von ca. 6 Monaten kastriert werden, ohne Schäden davon zu tragen. 

Sonja Sowietzky
eMail: SonjaSowietzky@aol.com

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