VON TIEREN, DIE NIEMAND HABEN WILL !!!!!!
     
Dies ist die Geschichte meiner Katze Grizabella, die aus dem Aschaffenburger Tierheim kommt. Sie beginnt mit einem Artikel vom 10.08.07 im „Main Echo“ dessen Titel lautete „Opfer einer verbotenen Tierfalle“. In dem Artikel wurde unter anderem eine Katze vorgestellt, die bereits seit Ende Juni im Tierheim auf ein neues Zuhause wartete, deren Vermittlungschancen jedoch sehr gering waren. Sie war nicht nur extrem scheu, sondern hat – vermutlich als Opfer einer verbotenen Tierfalle – auch nur drei gesunde Beine.
 

 
In meinem Bekanntenkreis ist allgemein bekannt, dass ich ein großer Katzenfreund und –kenner bin, und so wurde ich mehrfach auf diesen Artikel angesprochen mit dem Vermerk, das sei doch ein Fall für mich. Zu dem Zeitpunkt hatte ich jedoch bereits vier Katzen und einen Hund und trotz Haus mit großem Grundstück erschien mir das eigentlich genug. Zudem hatte ich den Artikel nicht selbst gelesen und auch das dazugehörige Bild nicht gesehen, da wir keine Zeitung bekommen. „Zufällig“ lag aber eben jener Artikel bei Bekannten auf dem Tisch, als mein Mann und ich dort am nächsten Tag zum Essen eingeladen waren. Die abgebildete Katze schaute mich mit großen, verschreckten Augen an und diesem Blick konnte ich mich nicht entziehen.
 
Am nächsten Tag fuhr ich also ins Tierheim und bat eine freundliche Mitarbeiterin, mir die Katze einmal ansehen zu dürfen. Alle meine Katzen kommen aus Tierheimen und waren scheue, schwer vermittelbare Problemkinder, aber was ich jetzt sah, das hatte ich noch nie erlebt. Als ich die Box mit der Nummer 8 betrat flüchtete „Mayflower“ – so war die Kleine damals noch benannt – panisch in eine Ecke ihrer Box, urinierte unter sich und blieb zitternd und mit angstgeweiteten Augen in ihren eigenen Ausscheidungen sitzen. Ich hätte fast geweint, so Leid tat mir dieses Kätzchen in diesem Moment. Was musste dieses Tier vor seiner Zeit im Tierheim erlebt haben?! Und spontan fiel mir die Katze namens Grizabella aus dem Musical Cats ein, die die Chance auf ein zweites Leben bekommt. Und eben jene Chance wollte ich diesem Kätzchen, meiner – und sie war für mich von diesem Moment an meine! - Grizabella, auch geben.
 
Also habe ich meine Tagesabläufe umgeplant, denn von jetzt an war ich nachmittags zwischen 14 und 16 Uhr im Tierheim in der Box mit der Nummer 8 anzutreffen. Ich habe stundenlang einfach nur mit Grizabella geredet, sie dabei weder bedrängt noch versucht, mich ihr zu nähern oder ähnliches. Grizabella sollte sich einfach an mich gewöhnen denn für mich stand fest, dass sie ihr zweites Leben bei uns leben soll. Zuvor musste sie jedoch Vertrauen zu mir aufbauen, schließlich würde sie hier noch mit genug Neuem, sprich einer komplett neuen Umgebung, vier anderen Katzen, einem Hund und nicht zuletzt meinem Mann konfrontiert werden.
Im Tierheim kannte man mich bereits nach kurzer Zeit recht gut: „Besuch für Grizabella (so wurde das Kätzchen inzwischen auch dort genannt)“ hieß es nur und ein freundlicher Mitarbeiter hat mich dann in die Box gelassen. Mit Grizabella ging es weniger schnell voran. In den ersten Wochen verkroch sie sich regelmäßig in irgendeiner Ecke, dann wurde sie so langsam neugierig und kam ab und zu einmal aus ihrem Versteck hervor und nach ca. 6 Wochen ließ sie sich zum ersten mal anfassen. Ich hätte heulen mögen vor Glück!! Von dem Tag an war das Eis dann auch gebrochen, Grizabella wurde mit jedem Tag zutraulicher, schmuste mit mir, schnurrte hemmungslos und war nunmehr offensichtlich bereit für den Neustart in ihr zweites Leben.
 

 

 
Dieser sollte am 11.10. beginnen, als ich mit meinem Katzenkorb ins Tierheim fuhr, um Grizabella abzuholen. In unserem Haus wartete ein wohlig warmer Wintergarten, ausgestattet mit Körbchen, Deckchen, Futter, Wasser und Katzentoilette zur Eingewöhnung auf Grizabella, Hund und Katzen hatte ich über den bevorstehenden Neuzugang informiert :)-) und auch mein Mann war nach nunmehr 2monatiger Überzeugungsarbeit bereit, die Katze gnädig aufzunehmen J. 
 
Einzig Grizabella schien von dem bevorstehenden Umzug nicht begeistert zu sein, sie einzufangen war nicht nur nicht einfach, sondern fast unmöglich. Ich habe noch nie eine Katze erlebt, die senkrecht die Gitterstäbe einer Box hinaufklettert, einer dreibeinigen hätte ich das im Leben nicht zugetraut! Aber auf ihrer Flucht vor dem Katzenkorb war Grizabella plötzlich zu allem fähig! Wir waren froh, sie dann irgendwie doch ausgetrickst zu haben.
 
In ihrem neuen Zuhause hat sie sich dann natürlich auch erst einmal wieder verkrochen aber nach einigen Tagen war die Vertrautheit zwischen Grizabella und mir doch wieder hergestellt. Nun ging es darum, sie Schritt für Schritt mit dem Rest der Familie bekannt zu machen. Im Wechsel durfte immer einmal die eine, dann die andere Katze in den Wintergarten, auch der Hund und mein Mann durften kurze Besuche abstatten und mit allen klappte es zum Glück gut.
 
Nach 2 Wochen habe ich dann den nächsten Schritt gewagt, die Tür zum Wintergarten wurde geöffnet, Grizabella konnte somit im ganzen Haus herumlaufen, sich andererseits aber auch im ganzen Haus verkriechen oder verstecken. Die Katzenklappen (meine Katzen sind Freigänger) habe ich allerdings noch verschlossen gelassen.
 
Ich möchte nicht behaupten, dass die nun folgenden Tage ruhig verlaufen wären – ganz im Gegenteil. Mit dem Hund hatte Grizabella noch die wenigsten Probleme, den hat sie einfach ignoriert. Vor meinem Mann oder Besuchern ist sie ganz einfach geflüchtet, entweder in den Kleiderschrank oder unter das Bett. Aber mit den 4 anderen Katzen gab es nun doch Probleme, schließlich bewegte sich Grizabella in „ihrem“ Haus. Und zusätzlich waren plötzlich die Katzenklappen verschlossen, daran konnte ja auch nur die „Neue“ Schuld haben. Jetzt gab es also doch einige Reibereien im Haus! 
 
Nach 5 Tagen hatte dann auch mein Mann die Nase voll: „entweder werden die Katzenklappen wieder aufgemacht, oder ich gehe ins Hotel“, so seine Forderung. Verständlich, denn ich habe einen Murmeltierschlaf und er durfte mindestens 5 Mal pro Nacht aufstehen, um eine unserer Katzen rein oder raus zu lassen.
 
Nun: es gibt einen schönen und sehr wahren Spruch der da lautet:
„Was Du liebst lass frei, kommt es zurück gehört es Dir – für immer“
( Chinesische Weisheit)
 
Und somit habe ich Grizabella also auch den letzten Schritt zur Selbstbestimmung ihres Lebens ermöglicht und die Katzenklappen geöffnet. Meine 4 anderen Katzen waren angesichts der wieder gewonnenen Freiheit happy und Grizabelle – die hat das gar nicht interessiert. „im Haus ist es immer schön warm und mollig und warum soll zur Erledigung meiner Notdurften nach draußen gehen, wie es die anderen vier tun. Das Katzenklo ist immer schön sauber, also bleibe ich lieber im Warmen“ so ungefähr wird sie gedacht haben. 

 

 

  
Inzwischen hat sie sich eines Besseren belehren lassen. Das Katzenklo wanderte Stück für Stück weiter nach draußen, Grizabella, da stubenrein, folgte der Toilette, lies sich von mir auch die Funktion der Katzenklappen erklären und ist heute genauso pflegeleicht wie meine anderen vier Katzen. Die Katzentoilette habe ich für die nächste Katze erst einmal in den Keller gestellt.
Und die nächste Katze wird ganz sicher kommen denn es gibt wenig Schöneres als Erlebnisse wie die mit Grizabella und dafür lohnt es sich auch, Zeit und Kraft zu investieren:
Grizabella ist heute handzahm, verschmust und genießt es ganz besonders, den Tag auf unserem Ehebett zu verbringen. Wenn es ihr gefällt, dann vereinnahmt sie auch gerne einmal den Hundekorb unseres „Paulinchens“ (Schäferhund-Dobermann-Mix). Diese streicht dann die Segel und legt sich halt vor den Korb.

Mit unseren anderen Katzen kommt sie inzwischen auch ganz prima klar, einzig unser „Smutje“ (Kater) meint, sie ab und zu überfallen zu müssen. Das sieht immer böse aus, es fliegen die Fellbüschel und das Geschrei der beiden ist weithin hörbar, aber kurz darauf liegen sie dann wieder einträchtig nebeneinander auf dem Bett und ich denke mir nur: 

„Pack schlägt sich –Pack verträgt sich!“
 

 

 
Und den Freigang, den genießt Grizabella inzwischen ungemein, schließlich kann sie ja auch nach Belieben raus und wieder rein ins Haus. Na und ich muss mich halt damit abfinden, dass jetzt auch noch eine fünfte Katze ihre Beute anschleppt und dafür auch noch gelobt werden will L. Denn trotz ihrer Behinderung ist Grizabella eine hervorragende Jägerin – für meine Begriffe sogar zu gut - aber ich gönne ihr ja die Freude und erkenne ihre Erfolge natürlich an (den letzten toten Vogel fand ich nicht so toll aber, immerhin hat sie ihn aber wenigstens verspeist, das sparte zwar Katzenfutter, dafür darf ich ihr jetzt allerdings eine Wurmkur verabreichen).

Ich wünsche Grizabella auf jeden Fall ein langes und erfülltes zweites Katzenleben! Und das nicht ganz uneigennützig, denn mir bringt sie jeden Tag so ungemein viel Freude und ich bereue es keinen Tag, viel Zeit und Mühe in die Kleine investiert zu haben.
 

 

 
Handlung: 
Kater Munkustrap, Oberhaupt und Beschützer der Katzen, übernimmt die Rolle des Erzählers: Eine große Katzenschar kommt auf einer Londoner Müllkippe zusammen, um den Jellicle Kraft neues Leben zu bekommen. Eine der jüngsten Katzen, Victoria, eröffnet den Ball. Nachdem sich alle Katzen mit einem eigenen Lied präsentiert haben, wird der Älteste der Katzen, Old Deuteronomy, der die Wahl treffen muss, von dem Katzenschurken Macavity entführt. Dessen Name ist eine Allusion an Professor Moriarty in den Sherlock Holmes Geschichten. Mit der Hilfe des jugendlichen Zauberkaters Mr. Mistoffelees gelingt es jedoch, Old Deuteronomy wieder herbei zu zaubern. Victoria ist die erste Katze, welche die von der Gesellschaft ausgestoßene alte Katze Grizabella, die schon bessere Zeiten gesehen hat, wieder annimmt. Überraschend entscheidet sich daraufhin Old Deuteronomy für Grizabella. Sie wird wieder aufgenommen, darf zum Heavyside Layer aufsteigen und ein neues Leben beginnen.
Der Song Memory (deutsch Erinnerung) der räudigen alten Katze Grizabella wurde ein Hit.

 

 


 
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